Das Cap der Ziegen (Mallorca Teil 6/7)

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Weitblick und spanische Gitarrenklänge

Unser morgendliches Frühstück am Pool fällt heute nicht ganz so ausgiebig aus und findet zudem etwas früher als gewohnt statt. Denn heute wollen wir uns mit unserem Mietwagen auf den Weg in Richtung Cap de Formentor aufmachen, von dem unser Reiseführer so schwärmt. In dem kleinen Büchlein ist unter anderem von einer hochromantischen 18 Kilometer langen Traumstrecke durch die Berge die Rede. Diese traumhafte Strecke, so der Reiseführer weiter, kann im Sommer auch gerne schon mal zur „Alptraumstrecke“ werden, wenn sich die Touristenbusse aneinander reihen und es kein Vor und kein Zurück mehr gibt. Da wir aber bereits Ende Oktober haben, sind wir guter Dinge, von diesem Szenario verschont zu bleiben und machen uns auf zur nördlichsten Spitze Mallorcas.

Auf dem Weg zum Cap de Formentor

Oben rechts: Der „Piratenturm“

Nach einer guten Stunde Fahrt quer über die Insel befinden wir uns am Fuße der angepriesenen Traumstraße durch die Berge. Und tatsächlich: Bereits nach den ersten Kilometern durch die Serpentinen bietet sich uns ein traumhafter Weitblick. Begeistert von dem einzigartigen Panorama legen wir einen spontanen Halt auf dem ersten größeren Parkplatz ein, von dem aus ein kurzer Fußweg zu einer Aussichtsplattform führt. Bereits auf halbem Wege höre ich von irgendwoher spanische Gitarrenklänge, die die Schönheit dieser Landschaft noch unterstreichen. Gute 50 Meter weiter ist klar, woher die Klänge kommen: Auf der Aussichtsplattform sitzt ein Gitarrist unter einem Sonnenschirm und spielt spanische Instrumentalmusik. Pacopón nennt er sich und präsentiert hier geschäftstüchtig, aber keineswegs aufdringlich, seine Melodien. So gestaltet sich die ohnehin schon unbeschreiblich schöne Aussicht nochmal so schön und es fällt schwer, diesen Ort wieder zu verlassen. Eine gute halbe Stunde und eine Spende für den Musiker später, ringen wir uns mit Blick auf die vor uns liegende Strecke, die ja gerade erst begonnen hat, dennoch dazu durch und begeben uns zurück in Richtung Auto.

Die weitere Strecke führt uns über schier endlose Serpentinen, die sich die bergige und felsige Landschaft hinauf, hinab und wieder hinauf schrauben. Wir sind uns einig: Der Reiseführer hat nicht zu viel versprochen! Und so genießen wir die Fahrt durch die schroffe Felsenlandschaft, schießen mit unseren Handys Fotos und nehmen kleine Videosequenzen auf.

Delfine und Ziegen

Cap de Formentor, Mallorca

Bergziege am Cap de Formentor

Schließlich erreichen wir das Cap de Formentor. Hier gibt es neben einer wiederum wunderschönen Aussicht ein Restaurant, das zum Verzehren von Speisen und Getränken einlädt. Ein etwas skurriles Bild bieten die frei umherlaufenden Ziegen, die in den Felsen klettern, zwischen parkenden Autos in der Sonne liegen und sich auch nicht scheuen, den Restaurant-Gästen auf der Terrasse ihre Gesellschaft anzubieten oder nötigenfalls auch aufzudrängen.

Vom Rand der Fahrbahn aus entdecken wir in einiger Entfernung und gute 50 Meter unter uns ein Boot und meine Freunde behaupten steif und fest, auch einige Delfine gesehen zu haben. Trotz großer Anstrengungen und Augenzusammenkneifens bleibt mir dieser Anblick leider verwehrt und ich ziehe es vor, mich mit meiner Kamera leichteren Zielobjekten zu widmen – u. a. den zuvor genannten Ziegen, die nicht nur mich, sondern auch zahlreiche andere Besucher mit ihrer überlegenen und sympathisch-ignoranten Art beschäftigten. Nach einigen Schnalz-, Ruf- und Lock-Versuchen gebe ich mich schließlich geschlagen und schließe zu meinen Freunden auf, die bereits auf dem Weg zurück zum Auto sind.

Karibische Buchten und Piratentürme

Karibikartige Bucht, Mallorca

Fluch der Karibik…!

Unser nächstes Ziel ist der Piratenturm, der bereits von der Aussichtsplattform zu sehen ist, deren Ausblick uns zu Beginn dieses Ausflugs in seinen Bann gezogen hat. Allerdings sind wir uns nicht einig, ob wir den Aufstieg zum Turm wirklich noch wagen wollen, denn in unserem Reiseführer ist die Rede von einem mindestens halbstündigen Fußmarsch. Wir sind bereits seit den (zumindest für Urlaubsverhältnisse) frühen Morgenstunden unterwegs und entsprechend platt. Das hochsommerliche Wetter und die überwältigenden Eindrücke tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Zudem trennt uns von dem begehrten Ziel noch eine gute halbe Stunde Autofahrt. Wir beschließen, soweit an den Turm heranzufahren, wie es eben geht und dann zu entscheiden.

Wieder führt uns unser Weg über Serpentinen entlang an beeindruckenden Landschaften. Aller Erschöpftheit zum Trotz lasse ich es mir nicht nehmen, spontan einen Parkplatz anzufahren, der einen Ausblick auf eine besonders schöne Bucht verspricht. Mit den Worten „gucken kann man ja mal“ verlassen wir unser Fahrzeug und machen uns zu Fuß in Richtung Bucht auf, die bereits von hier oben zu erkennen ist. Um sie in ihrer vollen Pracht bewundern zu können, ist allerdings ein Abstieg über einen schmalen Pfad durch Sträucher und Büsche notwendig, den wir trotz der zuvor erwähnten Plattheit einheitlich und ohne Infragestellen angehen. Es ist, als gehe von jeder Ecke dieser Landschaft eine Art Magie aus, die einen alles andere unwichtig erscheinen und vergessen lässt. Jedem Winkel wohnt ein Zauber inne, der Dich auf magische Art und Weise anzieht und nicht wieder loslässt.

Der Abstieg wird schließlich mit dem Blick auf eine traumhafte, karibisch anmutende Bucht belohnt, die allerdings nicht von Sandstrand, sondern von schroffen und steilen Felsen umgeben ist. Eine Kulisse, die mich an „Fluch der Karibik“ erinnert und den bevorstehenden anstrengenden Aufstieg zum Parkplatz wiederum in den Hintergrund rücken lässt.

Blick vom Piratenturm, Mallorca

Blick vom Piratenturm

Nach diesem rund einstündigen „Gucken-kann-man-ja-mal“-Ausflug sind wir uns einig, dass unsere Kräfte für den Aufstieg zum Piratenturm nun nicht mehr ausreichen. Unseren Plan, mit dem Auto soweit wie möglich heran zu fahren, wollen wir dennoch in die Tat umsetzen. Eine gute Entscheidung! Denn entgegen der Beschreibung in unserem Reiseführer führen uns die schmalen Serpentinen direkt bis zum Fuße des Turms, wo wir unseren Mietwagen abstellen, um die letzten Meter zu Fuß zu bewältigen. Der „Piratenturm“ steht auf dem Gipfel dieses Berges und bereits von hier hat man freie Sicht in alle Richtungen – FAST alle Richtungen, denn in eine Richtung versperrt naturgemäß der Turm die freie Sicht. Dem ist nur mit dem Erklimmen desselben entgegenzuwirken. „Erklimmen“ ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, denn eine sichere Treppe oder etwas Vergleichbares sucht man hier vergebens. Wer den Turm besteigen möchte, muss die an der Außenseite des Turms angebrachten Steigeisen benutzen, die etwa auf der Hälfte der Höhe an einem Loch enden, das groß genug für eine Person ist. Hat man es bis hierher geschafft und das Innere des Turms erreicht, geht es von hier aus über weitere Steigeisen im Turminneren die letzten Meter empor. Wahrlich kein Abenteuer für Höhenangst-Geplagte! Für alle anderen lohnt sich dieser Aufstieg allemal, denn von hier oben hat man erwartungsgemäß einen Rundblick, der seinesgleichen sucht.

Die Ausflüge der vergangenen Tage haben allesamt bleibende Eindrücke hinterlassen, von denen man glaubte, dass sie in diesem Urlaub nicht mehr getoppt werden könnten. In Anbetracht der heutigen Erlebnisse und der Tatsache, dass diese Urlaubswoche sich nun langsam aber sicher dem Ende neigt, bin ich mir dessen heute allerdings GANZ sicher. Was soll jetzt schon noch kommen…?

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