„Über den Wolken“ – ein Rundflug über die ostfriesischen Inseln

„Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann
Würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein“
(Reinhard Mey, „Über den Wolken“)

„Über den Wolken“, der wohl bekannteste Titel des grandiosen deutschen Liedermachers Reinhard Mey hat für mich nun eine ganz besondere Bedeutung. Am 27.02.16 machen wir uns auf den Weg zum JadeWeserAirport (einst Flugplatz Wilhelmshaven-Mariensiel) am Stadtrand von Wilhemshaven. Dort treffen wir uns mit Michael, Pilot und WOZIKO-Gastgeber im vergangenen Jahr, um mit ihm in einer Cessna einen Rundflug über die ostfriesischen Inseln zu machen. Joshua konnte dieses großartige Erlebnis bereits im letzen Jahr genießen, ist aber deswegen nicht weniger in freudiger Erwartung. Bei mir mischt sich das Gefühl der freudigen Erwartung mit großer Aufregung, denn dieser Cessna-Rundflug wird der allererste Flug meines Lebens sein.

Auf den Spuren von Reinhard Mey

Doch nicht nur dieser Tag, sondern auch der Flugplatz an sich ist schon etwas Besonderes, zumindest für Reinhard Mey-Fans. 1973 hat der Liedermacher hier seinen Flugschein gemacht. In der Krawatten-Ahnengalerie des Flugplatzes finden wir seine abgeschnittene Krawatte, denn nach einem alten Brauch dieses Flugplatzes wird dem Flugschüler nach seinem ersten Alleinflug die Krawatte abgeschnitten. Auch Mey´s Titel „Über den Wolken“ soll vom JadeWeserAirport handeln.

Die Cessna wartet

Unsere Cessna ist startklar

Nach dieser kleinen Reise in die Vergangenheit kommt uns Michael mit den Worten: „Ich habe sie schon mal warmgeflogen“ entgegen. „Sie“ ist die blau-weiße Cessna, die uns bereits startklar erwartet und meinen allerersten Flug zu einem unvergesslichen Erlebnis machen soll. Michael ist der Mann, in dessen Hand es liegt, dass dies auf positive Art und Weise geschieht. Er führt uns an der „Luftaufsichtsbaracke“ vorbei zum Vorfeld, der Abstellfläche der Flugzeuge.Hier haben wir freien Blick auf das Rollfeld. Dank bestem Wetter, strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel, freuen wir uns auf eine klare Sicht. Schließlich steigen wir in das kleine Leichtflugzeug ein, in dem insgesamt vier Sitzplätze vorhanden sind. Während Joshua es sich samt Kamera auf der Rückbank bequem macht, nehme ich vorne neben Michael Platz. Nach dem Anlegen der Anschnallgurte und dem Verschließen der Türen klärt er uns über die in regelmäßigen Abständen stattfindende Wartung und die regelmäßige Erneuerung der wichtigsten Teile auf. Das gibt uns ein gutes Gefühl. Dann startet er den Motor. Die Kopfhörer, die man aufgrund des hohen Lärmpegels aufsetzen kann, behalte ich in den Händen. Ich möchte das Flug-Feeling ohne Einschränkungen erleben. Auch Joshua kann der Lärm nichts anhaben. Langsam rollen wir in Richtung Startbahn.

„Wind Nord-Ost, Startbahn 03,
bis hier hör´ ich die Motoren“
(Reinhard Mey, „Über den Wolken“)

Wir werden auf keiner geringeren als der legendären Startbahn 03 starten, die Reinhard Mey in seinem Titel „Über den Wolken“ besingt. Heute heißt sie allerdings Startbahn 02. Die Erklärung dafür liegt im Magnetfeld der Erde. Die Magnetpole der Erde wandern, und der nördliche Magnetpol legt derzeit ungefähr 55 Kilometer pro Jahr zurück. Dadurch verschiebt sich der Winkel der Startbahn zum Pol und ihre Bezeichnung muss geändert werden. Früher 30 Grad, heute 20 Grad – folglich nun Startbahn 02. Ich bin aufgeregt. Mein Blick schweift zwischen Joshua, dem vorbeiziehenden Umfeld und dem Cockpit hin und her. Vor dem Abflug bleiben wir noch einmal stehen. Nach einer letzten Kontrolle der Türen holt Michael sich von uns das endgültige „Okay“ und somit das Startsignal.

Ostfriesland aus der Vogelperspektive

Ostfriesland von oben

Ein toller Ausblick auf Ostfriesland

Die Spannung steigt und die Aufregung steht mir ins Gesicht geschrieben. Das kleine Flugzeug beschleunigt, bis es schließlich die Erdanziehungskraft überwindet und mit uns empor steigt. Leicht und sanft gleiten wir immer höher, „der Sonne entgegen“. Wir sehen Häuser, Autos, Menschen und Tiere unter uns immer kleiner und kleiner werden. Aus diesen luftigen Höhen bietet sich uns ein toller Ausblick! Ohne den erwarteten Anflug von Übelkeit schaue ich aus dem Fenster und kann dieses Erlebnis in vollen Zügen genießen. Keine Spur von Unwohlsein. Wir steuern die ostfriesischen Inseln an, fliegen über den kleinen Ort Hohenkirchen mit seinem Wangermeer, können in der Ferne Wilhelmshaven und den JadeWeserPort erkennen. Wir fliegen über Spiekeroog und Wangerooge. Unter uns die für die Nordseeküste typischen Salzwiesen mit ihren Wasseradern, das Wattenmeer, die nun ganz kleinen Containerschiffe und… die Wolken. Während Joshua fleißig Fotos macht und unseren Flug mit einer ActionCam aufnimmt, sauge ich die auf mich einprasselnden Eindrücke auf und genieße den Anblick Ostfrieslands, der Nordsee und ihrer Inseln von oben. Ein Fußballspiel auf dem Festland lässt uns schmunzeln. Viele kleine, sich schnell bewegende Punkte auf einer großen grünen Fläche bieten aus dieser Perspektive doch einen sehr amüsanten Anblick. Dass sich das Flugzeug in Kurven leicht zur Seite neigt, hat Michael uns vor dem Flug erklärt. Dass ich aber auch damit keinerlei Probleme haben würde, habe ich nicht unbedingt gedacht. Im Gegenteil, die leichte Seitenlage ab und an gibt mir einen zusätzlichen kleinen Kick. Wenn etwas Spaß macht, geht es gefühlt schnell vorüber. Das müssen wir auch dieses Mal feststellen, als wir nach gut 30 Minuten wieder zur Landung ansetzen. Langsam erlangen Häuser, Autos und Menschen wieder ihre gewohnte Größe. Schließlich setzen wir auf, verringern die Geschwindigkeit und rollen auf dem Rollweg zurück zum Vorfeld. Beeindruckt von diesem Erlebnis steigen wir aus. Wir sind nicht nur um einige Fotos, sondern auch viele wunderbare Eindrücke reicher.

Als Joshua an diesem WOZIKO-Abend „Über den Wolken“ spielt, treffen sich unsere Blicke mit einem Lächeln. Unser kleines Abenteuer lässt mich Reinhard Mey´s bekanntesten Titel künftig auf eine ganz besondere und persönliche Art und Weise erleben.

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