Pont du Gard – Welterbe der alten Römer

Die Reise als Ziel

Der Pont du Gard

Der Pont du Gard im Département Gard

Gemäß dem Motto „die Reise ist das Ziel“ soll mich meine für diesen Sommer angesetzte Frankreich-Reise durch die schönsten Orte und Landschaften des Landes führen. Einen konkreten Plan gibt es aber nicht. Doch obwohl es für mich kaum etwas Schöneres gibt, als die vor meiner Windschutzscheibe vorüberziehenden Landschaften in mich aufzusaugen, möchte ich mir einige besondere Ziele und Sehenswürdigkeiten dennoch nicht entgehen lassen. Eines dieser Highlights ist der „Pont du Gard“ in Südfrankreich, ein rund 2000 Jahre alter Aquädukt der Römer.

Für meine Verhältnisse erreiche ich mein Ziel verhältnismäßig früh. Gegen Mittag stehe ich vor der Schranke des riesigen Parkplatzes und ziehe mein Ticket. Zu dieser Tageszeit ist es noch unproblematisch, einen freien Platz zu finden, der auch für mein Wohnmobil ausreichend Raum bietet. Denn obwohl der Pont du Gard zu einem der beliebtesten Ausflugsziele Frankreichs zählt, erfolgt der große Ansturm erst zu späterer Stunde. Der GANZ große Ansturm bleibt heute allerdings aus, was aber vermutlich bei einem Besuch innerhalb der Ferienzeiten (und/oder bei besserem Wetter – es ist an diesem Tag bedeckt und es ist Regen angesagt) anders aussehen dürfte.

Das Parkticket kostet mich übrigens 18 Euro für den ganzen Tag. Der Preis gilt für PKW und Wohnmobile gleichermaßen. Wer mit dem Motorrad anreist, kommt mit 14 Euro aus. Bezahlt wird vor der Ausfahrt am Automaten oder an der Kasse.

Eingang zur Vergangenheit

Nach wenigen Gehminuten erreiche ich den „Eingangsbereich“ zum Objekt der Begierde. Hier gibt es neben allen wichtigen Touristen-Infos auch Souvenirs, Postkarten sowie Kugel-Eis und Getränke käuflich zu erwerben. Sich bereits hier mit Speisen und Getränken einzudecken ist allerdings nicht nötig, denn direkt am Pont du Gard gibt es einen Restaurantbetrieb. Alles in allem ist es unübersehbar, dass spätestens nach nun knapp 2000 Jahren, die dieser Aquädukt jetzt hier steht, der Kommerz auch hier Einzug gehalten hat. Unübersehbar zwar, aber dennoch nicht aufdringlich. Hinter dem „Eingangsbereich“ samt seinen Shops, Cafés und Touri-Infos bietet das Areal rund um das Bauwerk mit rund sieben Kilometern Fußweg ausreichend Platz, dem Trubel zu entgehen. Und auch zwischen den Wegen laden Felsformationen zum Klettern, Wiesen zum Liegen und der Fluss „Gard“ zum Baden oder Paddeln ein. Das Baden ist erlaubt, geschieht aber auch an den ausgewiesenen Badestellen auf eigene Gefahr.

Zwölf Meter Höhenunterschied und 0,4 Prozent Gefälle

Der Aquädukt Pont du Gard

Der Pont du Gard von der weniger belebten Seite

Zu diesem Zeitpunkt weiß ich von alledem aber noch nichts und erhasche nach einigen weiteren Gehminuten zwischen Bäumen, Büschen, Felsen und einigen Japanern, Franzosen und Engländern einen ersten Blick auf das vor 2000 Jahren hochmoderne und heute immer noch beeindruckende Bauwerk. Es ist nicht ganz sicher, ob der Pont du Gard im ersten Jahrhundert vor oder nach Beginn unserer Zeitrechnung erbaut wurde. Aber wie um alles in der Welt haben die Architekten aus der damaligen Zeit es zustande gebracht, das Wasser über eine kontinuierlich leicht abfallende Strecke von 50 Kilometern hierher zu leiten, um die Menschen mit Wasser zu versorgen? Der Höhenunterschied des Baus beträgt vom Anfang bis zum Ende lediglich 12 Meter. Dabei windet sich die Strecke durch Täler an Bergmassiven vorbei, die den direkten Weg von nur rund 20 Kilometern Luftlinie versperren. Das Gefälle des Pont du Gard selbst beträgt nur 0,4 Prozent. Mit den Werkzeugen und Mitteln, die den Architekten und Arbeitern zur damaligen Zeit zur Verfügung standen, eine wahre Meisterleistung in Sachen Planung und Umsetzung.

Überqueren lässt sich der Gard heute nur noch auf der untersten Ebene des Aquädukts. Die oberste Ebene, die als Wasserleitung diente, ist zu bestimmten Zeiten mit Führung zumindest noch auf den ersten Metern begehbar. Ich begebe mich auf der untersten Ebene auf die andere Seite des Ufers, wo ich auf Felsen umher klettere und versuche, die schönsten Eindrücke fotografisch festzuhalten. Ein hoffnungsloses Unterfangen. Jeder Winkel vor, neben, auf oder unter der Brücke wirbt mit der schönsten aller Aussichten. Aber schlussendlich ist jede Ablichtung doch immer nur ein Anstoß zum Herauskramen der eigenen Erinnerungen. Deshalb versäume ich es nicht, auch an der Sucherlinse meiner Kamera vorbei so viele Eindrücke wie möglich zu sammeln und diese auf mich wirken zu lassen.

Essen, Regen und viele neue Eindrücke

Der Aquädukt "Pont du Gard"

Auch ein Blick in die andere Richtung ist durchaus lohnenswert

Nach gut zwei Stunden Wandern, Klettern, Staunen und Fotografieren treibt mich der Hunger wieder in Richtung Parkplatz, wo ich mir in der Küche meines WOMOs etwas zu Essen mache. Mein Plan: Nach dem Essen komme ich mit Stativ und Graufilter noch einmal hier her, um ein paar experimentelle Fotos zu machen. Allerdings machen mir aufziehende Wolken und das vorhergesagte zunehmende Regenwetter einen Strich durch die Rechnung. Also gehe ich lediglich noch mein Tagesticket bezahlen und verlasse diesen Ort mit vielen neuen und unbezahlbaren Eindrücken.

 

FOTOS

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